Glossar

Abschwächen dichter Negative
Von sehr dichten (überbelichteten) Negativen lassen sich nur schwer Kontaktkopien erstellen. Deshalb werden sie – ein guter Erhaltungszustand vorausgesetzt – mit dem Farmerschen Abschwächer behandelt. Auch wenn es sich fast ausschließlich um Dickschichtnegative handelt, ist diese Art der Behandlung – weil irreversibel – mit größter Vorsicht durchzuführen.

Aussilbern – Mirroring – Spiegelsilber
Das sogenannte Aussilbern (kolloidaler Silberbelag) ist eine Erscheinung der Bromsilbertechnologie und kann im älteren Negativ als auch Positiv vorkommen.

Bildformate
In Laufe der Jahrzehnte seit der ‚Erfindung‘ der Fotografie haben sich unzählige Bildformate entwickelt. Der kleinste gemeinsame Nenner ist oft das Aspektverhältnis, also das Verhältnis der Seitenlängen zueinander. Reine Längenangaben beziehen sich auf Inch (Zoll) oder auf Zentimeter. Dem 2:3-Format entsprechen 4,5 x 6 cm, 6 x 9 cm oder 24 x 36 mm. Ein Vertreter des 3:4-Formats ist 9 x 12 cm, in grober Näherung auch das beliebte Portraitformat 13 x 18 cm. Bei den Längenangaben sei darauf verwiesen, dass diese in der Regel grob gerundet sind.

Bräunliche Flecken und Färbung im Negativ
Insofern ein Zerfall des Zelluloid ausgeschlossen werden kann, handelt es sich hier oft um Schwefelsilber-Verbindungen, die auf eine mangelnde Verarbeitung der Negative zurückzuführen sind.

Caffenol
Mitte der Neunziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts soll es an der School of Photographic Arts and Sciences des Rochester Institute of Technology Untersuchungen zum Einsatz von Kaffeesäure zur fotografischen Entwicklung gegeben haben. Über die weiteren Jahre entwickelte sich daraus der ‚alternative‘ Selbstmach-Filmentwickler Caffenol. Er besteht – in der heutigen Definition – aus Instantkaffee und Waschsoda. Zur Beschleunigung der Entwicklung kann man dem Koffeincocktail eine Prise Vitamin C zusetzen. In der ursprünglichen Definition ist von Kaffee, Backsoda und Kaliumhydroxid die Rede. Des Weiteren gab es in dem Zusammenhang Experimente, den Kaffee-basierten Entwickler zum Beispiel mit Brenzcatechin zu kombinieren. Solche superadditive Kombinationen von Entwicklersubstanzen sind nicht unüblich.

Glasplatte
Vor dem Einsatz von Kunststoffen als Filmträger wurden Glas, Metallplatten (zum Beispiel Daguerreotypie) als auch Papier verwendet.

Kontaktkopie – Kontaktbelichtung
Bei den ersten Fotografien (Daguerreotypie nach Louis Daguerre) handelte es sich um sogenannte Unikate. Im heutigen Sprachgebrauch wurde ein Positiv erzeugt, welches nach dem damaligen Stand der Technik auf fotochemischen Weg nicht vervielfältigt werden konnte. Von William Henry Fox Talbot wurde etwas mehr als zwei Jahrzehnte später die Technologie für das heute bekannte Negativ-Positiv-Verfahren erfunden. Damit wurde es möglich, von einem Negativ beliebig viele Positive (Abzüge) anzufertigen. Dabei griff man auf das Kontaktkopierverfahren zurück. Hierfür wird das Negativ auf das sensibilisierte Fotopapier gelegt, belichtet, entwickelt und fixiert. Der Ablauf beim Entstehen des Positivs entspricht dem Vorgehen beim Negativ. Durch die Kontaktbelichtung entspricht die Größe des Positivs der Größe der verwendeten Fotoplatte. Das Verfahren der Kontaktbelichtung wurde im Massensegment der Fotografie noch bis in die sechziger Jahre hinein verwendet.

Lithprint-Verfahren
Hierbei handelt es sich um ein besonderes Entwicklungsverfahren für farbige Schwarzweiß-Abzüge, bei dem ausschließlich Hydrochinon verwendet wird. Diese Entwicklungssubstanz erzeugt zwar eine kräftige Schwärzung, ist aber allein nicht sonderlich reaktionsfreudig. Beim Lithprint wird deshalb mit sehr langen Belichtungszeiten (Überbelichtung des Positivs) gearbeitet. Je nach Länge der Belichtung und Konzentration des Lith-Entwicklers lassen sich kontrastreiche bis hin zu detailierte farbige Abzüge erstellen. Der Ursprung des Lithprintings ist die Fotolithografie, bei der nur zwei Belichtungszustände (unbelichtet – transparent sowie belichtet – schwarz) erwünscht sind.

Nachbearbeitung alter Negative
Im Rahmen dieses Projekts sollen sowenig wie möglich Veränderungen am Original-Negativ vorgenommen werden. Das Projekt versteht sich nicht als eine konservatorische Maßnahme für private Fotografien. Vielmehr ist der jeweilige Zustand des Negativs Gegenstand des fotografischen Kunstprojekts. Insofern grobe Verschmutzungen vorliegen, werden diese vorsichtig entfernt. Effekte wie das Aussilbern werden nicht ausgeglichen. Lediglich sehr dichte Negative werden abgeschwächt.

Negativ – Positiv
Über den Zwischenschritt des Negativs (Glasplatte, Filmstreifen) ist es möglich, von einem Lichtbild beliebig viele Positive (Abzüge) anzufertigen. Das Negativ-Positiv-Verfahren wird William Henry Fox Talbot zugeschrieben, wobei Talbot auf die Vorarbeiten von David Brewster und John Herschel zurückgreifen konnte. Im Grunde genommen besteht das Negativ-Positiv-Verfahren heute aus der Wiederholung der Abläufe des Negativprozesses. Wurden am Anfang der Fotografie für die Positiverstellung im Wesentlichen Verfahren verwendet, die heute als Edeldruckverfahren bezeichnet werden, ging man mit zunehmender Verkleinerung des Aufzeichnungsmedium Film auch beim Anfertigen des Positivs zu einem angepaßten ‚Negativprozess‘ über.

Pyrogallol – Brenzcatechin
Pyrogallol war zu Beginn der Fotografie die Entwicklersubstanz schlechthin. Pyro hat nur zwei entscheidende Nachteile: Pyrogallol ist giftig und durch die rasche Oxidation als Entwicklungssubstanz schnell aufgebraucht. Mit dem Aufkommen von Hydrochinon und der zunehmenden Industrialisierung in der Fotografie, verlor Pyrogallol an Bedeutung. Heute wird die Substanz für spezielle Negativentwicklungen verwendet. In Sachen Farbigkeit und einer außergewöhnlich sanft-detailierten Schwarzweißwiedergabe ist Pyrogallol auch beim Positiv unschlagbar. Bezüglich der Giftigkeit kann Brenzcatechin als ‚Ersatz‘ für Pyrogallol verwendet werden.

Tonung
Das Tonen einer Schwarzweißfotografie ist so alt wie die Fotografie selbst. Denn am Anfang war das reine Schwarzweiß wie es heute dominiert nicht erwünscht. Abgesehen von den farbigen Edeldruckverfahren wurde beim ’normalen‘ Entwicklungsprozess nach Lösungen gesucht, Schwarzweißabzüge in andere Farbnuancen zu tonen. Im Grunde genommen wird beim Tonen metallisches Silber in eine Silberverbindung umgewandelt. Grundsätzlich erzeugt jede Entwicklung ein mehr oder minder farbiges Restbild, welches sich nach dem Fixieren in einer Bleiche freilegen lässt. Bekannt ist auch das Tonen zum Erhöhen der Archivfestigkeit.

Vergrößerung
Zu Beginn der Fotografie wurde ausschließlich über die Kontaktbelichtung Positive (Abzüge) erzeugt. Damit bestimmt die Größe des Aufzeichnungsmediums die Größe der Fotografie. Spätestens mit dem Aufkommen des Kleinbilds ist das Vergrößern des Negativs auf ein Positiv zwingend notwendig geworden. Der dafür notwendige Vergrößerer ist im Grunde genommen die ‚umgekehrte‘ Anwendung der Kamera. Und so ist es nicht verwunderlich, dass erste Vergrößerer für feste Filmformate und oft auch nur für eine Vergrößerung (zum Beispiel 1:2) auf den Markt kamen. Noch Ende der sechziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts wurde in der Fachliteratur die Kontaktkopie als das bessere Reproduktionsverfahren beschrieben.

Verschmutzungen vom Negativ entfernen
Man muss beim Glasnegativ und fotografischen Film zwei Seiten unterscheiden: Die Seite mit der Emulsion und die schichtlose Rückseite. Die Rückseite lässt sich relativ problemlos behandeln, auf Emulsionsseite muss bedacht werden, dass wasserhaltige Reinigungsmittel zum Wiederaufquellen der Emulsion führt. Deshalb wird gelegentlich Reinigungsbenzin empfohlen. Im Umgang mit Zelluloid habe ich an der Stelle meine Bedenken. Wenn das Reinigen eines Negativs wirklich erforderlich ist, greife ich auf einen Selbstansatz mit dem Namen ‚Feuerwasser‘, einem Alkohol – demineralisiertes Wasser-Gemisch, zurück. Demineralisiertes Wasser ist eine sehr gute, teilweise sogar recht aggressive Reinigungsflüssigkeit. Die Kombination mit Alkohol hat desinfizierende Eigenschaften – Stichwort Schimmelbildung. Des Weiteren ist – im Gegensatz zu Reinigungsbenzin – sowohl Wasser als auch Alkohol ein technologischer Hilfsstoff bei der Filmherstellung. Wichtig ist das ausgiebige Trocknen nach der Reinigungsbehandlung.

Zelluloid – Zellhorn – Nitratfilm
Mit Zelluloid begann Ende des 19. Jahrhunderts das Zeitalter der Kunststoff-Schichtträger, welche nach und nach die fotografische Platte aus Glas ablöste. Zelluloid hat zwei entschiedene Nachteile: Es ist leicht entflammbar, wird heute sogar als Sprengmittel betrachtet und zerfällt bei Lagerung unter normalen Umgebungstemperatur-Bedingungen sehr schnell. Man spricht, bezogen auf den letztgenannten Punkt, von 40 Jahren Haltbarkeit. Aufgrund der gravierenden Nachteile wurde bereits Anfang der dreißiger Jahre des vorherigen Jahrhunderts an einem weniger ‚brandgefährlichen‘ Nachfolger, dem Acetatfilm, gearbeitet. Er wird später durch den langzeitstabileren Polyester-Schichtträger ersetzt.